Auf die Highlands, die am stärksten zerklüftete Region auf der
britischen Hauptinsel (300 Erhebungen sind über 900 Meter hoch),
entfällt über die Hälfte der gesamten Landfläche Schottlands. Sie
bestehen aus parallel von Nordosten nach Südwesten verlaufenden
Bergketten, die von tiefen Schluchten und Tälern durchschnitten
werden.
Die Grabensenke Glen More oder Great Glen, die sich von Inverness am
Moray Firth im Nordosten über Loch Ness, Loch Oich, Loch Lochy in
südwestlicher Richtung bis Fort William am Loch Linnhe zieht, teilt
die Highlands in zwei Teile. Zwischen 1803 und 1822 wurde hier durch
den Caledonian Canal eine schiffbare Verbindung zwischen dem
Atlantik und der Nordsee geschaffen. Der Kanal erreichte jedoch nie
die erhoffte wirtschaftliche Bedeutung.
Nordwestlich der Senke liegen die North West Highlands mit stark
erodierten Bergkuppen, die eine Höhe von 610 bis 915 Metern
erreichen. Im Südosten dieser geographischen Trennlinie ist die
Topographie sehr abwechslungsreich, das Land wird von den Grampian
Mountains durchzogen mit den Cairngorms im Osten. Am Loch Linnhe
liegt der höchste Berg der gesamten Britischen Inseln, der Ben Nevis
mit 1343 üNN. Die "bescheidenen" 1343 Meter trügen, liegt dieser
Berg ja direkt am Meer.
In den Central Lowlands, ein schmaler Tieflandgürtel, der nur etwa
ein Zehntel der Landfläche Schottlands ausmacht, leben 3/4 der
schottischen Bevölkerung. Die Central Lowlands werden von
verschiedenen Hügelketten durchzogen, zu denen u. a. die Ochil- und
Sidlawhügel zählen, und von einigen wichtigen Flüssen, wobei
besonders Clyde, Forth und Tay erwähnenswert sind.
Seine schmälste Stelle erreicht Schottland in den Lowlands, wo sich
der Firth of Clyde und der Firth of Forth 50 km nah kommen. Hier
liegen auch die beiden wichtigsten Metropolen, Glasgow am Firth of
Clyde und Edinburgh am Firth of Forth. Hier liegen auch die
Industriezentren. Das Tiefland ist dann wieder vorwiegend
landwirtschaftliche Nutzfläche.
Das Terrain der Southern Uplands ist nicht so stark zerklüftet wie
die Highlands und besteht überwiegend aus einem Moorheideplateau,
durch das sich sanft abfallende, weiträumige Täler ziehen und aus
dem Felsnasen und -vorsprünge emporragen. Außerdem Gipfel Merrick in
der Region Dumfries and Galloway im Südwesten, der 843 Meter hoch
ist, erreichen nur einige wenige Erhebungen in den Southern Uplands
mehr als 750 Meter. Entlang der schottisch-englischen Grenze
verlaufen die Cheviot Hills, die an die Southern Uplands grenzen.
In Schottland gibt es reichlich Flüsse und Seen. Unter den Seen, die
besonders zahlreich in den Central Lowlands und den Highlands
vorkommen, sind Loch Lomond, der größte der Seen, Loch Ness, Loch
Tay und Loch Katrine erwähnenswert. Die meisten schottischen Flüsse,
sind reißende, schnell fließende Gewässer mit kurzem Flusslauf und
somit von geringer Bedeutung für Handel und Verkehr. Der längste
Fluss in Schottland ist der Tay, doch der Clyde hat als wichtigster
Wasserweg durch seine Verbindung mit dem Binnenhafen von Glasgow
weitaus größere Bedeutung. Weitere große Flüsse sind u. a. Forth,
Tweed, Dee und Spey.
Klima & Wetter

Was das Klima in Schottland angeht, so ist der Spruch "Ihnen
gefällt unser Klima nicht, dann warten sie einfach eine
Viertelstunde ab" ziemlich zutreffend. Laut einschlägiger Tabellen
soll die Niederschlagsmenge in den Monaten Mai und Juni am
geringsten sein. Es wird ebenso wie in den übrigen Regionen der
Britischen Inseln durch die umliegenden großen Gewässer gemildert.
Aufgrund dieses mäßigenden Einflusses kommt es nur selten zu
extremen Witterungsschwankungen zwischen den einzelnen Jahreszeiten.
Milde Winter und vergleichsweise kühle Sommer sind die wichtigsten
klimatischen Merkmale, jedoch sind auch niedrige Temperaturen und
starke Schneefälle in den Bergregionen im Landesinneren keine
Seltenheit.
An der Küstenregion im Westen, die vor allem vom klimamildernden
Einfluss des warmen Golfstromes profitiert, herrschen im Großen und
Ganzen gemäßigtere Temperaturen als im Osten. Die durchschnittliche
Temperatur im Januar beträgt in der Küstenregion im Osten 3,9 °C und
im Westen 3,1 °C, während das Temperaturmittel im Juli bei 13,8 °C
bzw. 15 °C liegt. In Edinburgh misst man im Durchschnitt 3,5 °C im
Januar und 14,5 °C im Juli. Die jährliche Niederschlagsmenge, die
regional unterschiedlich ist, variiert zwischen 3 810 Millimetern in
den westlichen Highlands und 635 Millimetern in den östlichen
Regionen. Dennoch liegt der Ort der Britischen Inseln mit den
meistern Sonnentagen in Schottland (die Insel Tiree) und es gibt
Orte, in denen aufgrund des Golfstroms Palmen die Küste zieren
-allerdings liegt mit Braemer auch der Ort, an dem die bisher
tiefste Temeratur in Großbritannien gemessen wurde, ebenfalls in
Schottland.
Ich bin ohnehin absolut der Ansicht, daß es kein schlechtes Wetter
gibt, sondern nur die falsche Bekleidung!
Tiere & Pflanzen
Zu den verbreitetsten Laubbaumarten gehören Eberesche und Eiche.
Als Folge der in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnenen
Aufforstungsmaßnahmen mit schnellwachsenden Bäumen, gibt es vor
allem Nadelbäume, insbesondere Tannen, Kiefern und Lärchen.
Ungefähr 15% Schottlands sind bewaldet, wobei diese Waldflächen
nahezu die Hälfte der gesamten Waldgebiete Großbritanniens
ausmachen. Im Süden und Osten der Highlands befinden sich die
größten und wichtigsten Waldgebiete. Die Vegetation in den höher
gelegenen Gebieten beschränkt sich im Wesentlichen auf
Heidegewächse, Farne, Moose und Gräser. Steinbrech, Bergweiden und
andere Arten von Gebirgsvegetation und arktischen Gewächsen sind ab
etwa 610 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen.
Schottland zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt aus. Sowohl
Reh- als auch Rotwild ist in großer Zahl vorhanden, das Rotwild ist
mit seinem Lebensraum in den Highlands sehr viel stärker vertreten.
Zu den wichtigsten kleineren Säugetieren gehören Hasen, Kaninchen,
Otter, Hermeline, Baummarder und Wildkatzen. Beim Federwild, das in
den Moorlandschaften lebt und brütet, sind besonders Moorhühner,
Schneehühner und eine Vielzahl von Wasservögeln erwähnenswert,
während die wenigen Raubvögel Milan, Fischadler und Goldadler
umfassen. Die schottischen Flüsse und Seen sind für Lachse und
Forellen bekannt, die hier in großer Zahl leben. Mittlerweile
stellen Lachs- und Forellenzuchten in den ländlichen Regionen
wichtige Einnahmequellen dar. In den Küstengewässern gibt es reiche
Fischgründe mit Arten wie Kabeljau, Dorsch und Schellfisch sowie
Krusten- bzw. Schalentieren.
Bevölkerung
Die schottische Bevölkerung ist aus den Nachkommen verschiedener
Volksgruppen hervorgegangen, u.a. den Pikten, Kelten, Skandinaviern
und den Römern. Schottland ist eine gemischte, d.h. sowohl ländlich
orientierte als auch industrialisierte Gesellschaft. Die Schotten
selbst unterteilen ihr Volk in so genannte Lowlander und Highlander,
die sich den keltischen Wurzeln näher fühlen und ein stärkeres
Gemeinschaftsempfinden im Rahmen der Clans kultivieren. Auf den
Orkney- und Shetland-Inseln macht sich der skandinavische Einschlag
deutlich bemerkbar.
Die Einwohnerzahl Schottlands beträgt etwa 5,1 Mio., was ein
mittlere Bevölkerungsdichte von ca. 65 Einwohner/ km2 ergibt. Die
höchste Einwohnerdichte haben die Central Lowlands, in denen fast
3/4 der schottischen Gesamtbevölkerung leben, während in den
Highlands teilweise nur 8 Ew/km2 erreicht werden. 2/3 der
Bevölkerung wohnen in Städten. Die größte Stadt Schottlands ist
Glasgow mit rund 610.000 Einwohnern (2000). Das industrielle
Ballungsgebiet Clydeside, das die Städte Glasgow und Clydebank
einschließt, ist das größte Zentrum für Marinetechnik in
Großbritannien, obwohl sich die Aktivitäten heute hauptsächlich auf
die Erdölförderung vor der Küste konzentrieren und weniger auf den
traditionellen Schiffsbau.
Neben der schottischen Hauptstadt Edinburgh (ca. 455.000) gehören
Aberdeen (211.000), Dundee (150.000) und Inverness (65.000) zu den
wichtigsten Städten. Vor allem Aberdeen und Inverness konnten in der
Vergangenheit von der Ölförderung in der Nordsee und den damit
verbundenen Industrieansiedlungen profitieren.
Englisch ist In Schottland die Amtssprache. Weniger als 100.000
Schotten (vorwiegend in den Highlands und auf den Hebriden)
beherrschen auch das Schottisch-Gälische, das zu den keltischen
Sprachen gehört. Mit Hilfe von Fernsehprogrammen in gälischer
Sprache werden die Kenntnisse des Gälischen und der gälischen Kultur
gefördert.
Offizielle Staatskirche Schottlands ist die 'Church of Scotland'
(Kirche von Schottland), eine presbyterianische Kirche mit
calvinistischer Kirchenverfassung mit ca. 750.000 Mitgliedern.
Zweitwichtigster Glaubensträger ist die katholische Kirche mit etwa
745.000 Anhängern, während auch die Konfessionen der Anglican
Episcopal Church of Scotland (Anglikanische Episkopalkirche von
Schottland), der Kongregationalisten, Baptisten, Methodisten und
Unitarier weit verbreitet sind. Neben der offiziellen Kirche gibt es
eine Reihe verschiedener presbyterianischer Glaubensgemeinschaften,
die in der Vergangenheit aus Abspaltungen der Church of Scotland
entstanden. Anhänger des jüdischen Glaubens bilden eine Minderheit.
Schottische Feiertage sind Neujahr (1. Januar), Karfreitag, Tag der
Arbeit (erster Montag im Mai), der Frühlingsbankfeiertag (letzter
Montag im Mai), der Augustbankfeiertag (erster Montag im August) und
der Weihnachtstag (25. Dezember). Der Saint Andrew's Day (Sankt-Andreas-Tag,
30. November) gedenkt des Schutzheiligen Schottlands.
Kultur
In Schottland wird die Verwaltung von Schulen von der schottischen
Kultusbehörde (Scottish Education Department) und von regionalen
Schulbehörden (LEAs = Local Education Authorities) geregelt.
Das schottische Bildungswesen ist vom System in England und Wales
unabhängig und anders strukturiert. Schon immer hatte Bildung einen
hohen Stellenwert in Schottland. 1872 ging die Verantwortlichkeit
für die Vermittlung von Lehrinhalten von den Kirchen auf gewählte
Schulaufsichtsräte über, die Kindern und Jugendlichen im Alter von 5
bis 13 Jahren den Schulbesuch ermöglichten. 1901 (17 Jahre vor
England und Wales) wurde in Schottland die Schulpflicht um ein Jahr
verlängert, so dass die Schulabgänger 14 Jahre alt waren. 1918
ersetzte man die traditionellen Schulaufsichtsräte durch regionale
Schulbehörden. Ferner wurde fortan die Einrichtung von
Sekundärschulen obligatorisch. Das schottische Bildungsgesetz von
1945 enthielt die gleichen Bestimmungen wie die im Jahr 1944
erlassenen englischen und walisischen Gesetze, zog jedoch weitaus
weniger Veränderungen nach sich, da in Schottland viele der
wichtigsten Neuerungen bereits durchgeführt worden waren. Das
Mindestalter für Schulabgänger wurde 1947 auf 15, 1972/73 auf 16
Jahre angehoben.
1988 gab es eine weitere gravierende Änderung. Dieses neue Gesetz
schränkte die Befugnisse der regionalen Schulbehörden drastisch ein,
gestand einzelnen Schulen die Verfügungsgewalt über ihre Jahresetats
zu und ermöglichte den Schulen, per Antrag aus dem Kontrollsystem
der LEAs auszuscheiden und den Status staatlich direkt
subventionierter Schulen (GM-Status, GM = grant-maintained) zu
erhalten. Alle staatlichen Schulen in Großbritannien können den so
genannten GM-Status erlangen, wenn die Erziehungsberechtigten der
Schüler sich in einer Wahl für diesen Antrag aussprechen und der
Erziehungsminister dem Antrag der Schule zustimmt. Schulen mit
GM-Status sind in ihrer Verwaltung vollkommen autonom und von den
regionalen Schulbehörden vollkommen unabhängig, da sie ihre Mittel
direkt vom Staat erhalten.
Schottland verfügt über keinen bindenden nationalen Lehrplan, wie es
im übrigen Vereinigten Königreich Ende der achtziger Jahre
eingeführt wurde. Man hat sich dennoch um eine Vereinheitlichung und
Abstimmung der Lehrplaninhalte bemüht. In den Fächern Englisch und
Mathematik wurden landeseinheitliche Prüfungen eingeführt, in denen
das Wissen der Schüler geprüft wird.
An Sekundärschulen nehmen am Ende des vierten Schuljahres die
Schüler im Alter von 16 Jahren an den Prüfungen für das reguläre
Schottische Bildungszertifikat (SCE Standard Grade, SCE = Scottish
Certificate of Education) teil und erhalten so einen mit dem
Realschulabschluß vergleichbaren Schulabschluß. Die Prüfungen für
die höheren Bildungsabschlüsse (SCE Higher Grade) können im fünften
und sechsten Jahr des Besuchs einer Sekundärschule abgelegt werden.
Schottland verfügt über rund 70 weiterführende Bildungsinstitute, zu
denen alle Schulabsolventen Zugang haben, die keine Universität
besuchen. Zu den weiterführenden Bildungsinstituten gehören
landwirtschaftliche Hochschulen, Kunst- und Handelsschulen sowie
wissenschaftlich orientierte Institutionen. Über 80.000 Studenten
sind an solchen Einrichtungen eingeschrieben. Außerdem stehen sieben
Lehrerseminare mit etwa 3.000 immatrikulierten Studenten zur
Verfügung.

In Schottland gibt es zwölf Universitäten, von denen insgesamt
vier im Jahr 1992 aus ehemaligen polytechnischen Hochschulen
entstanden. Die Universitäten Aberdeen, Edinburgh, Glasgow und Saint
Andrews sind die ältesten Universitäten Schottlands und wurden
bereits im 15. und 16. Jahrhundert gegründet. Vier weitere (Heriot-Watt
in Edinburgh sowie die Universitäten Dundee, Stirling und
Strathclyde in Glasgow) entstanden zwischen 1960 und 1990. Etwa
90.000 Studenten sind an den schottischen Universitäten
eingeschrieben.
Der Dudelsack, der mit der traditionellen schottischen Musik in
Verbindung gebracht wird, wurde vermutlich von den Römern
eingeführt, die ihn aus dem Nahen Osten nach Schottland brachten.
Schottische Musik fällt besonders wegen der häufigen Verwendung des
pentatonischen Tonsystems (Fünftonleiter) auf. Die Melodien der
Volkslieder sind nicht einheitlich festgelegt, und so kann es von
einem einzigen Lied mehrere Hundert Melodie- und Textvarianten
geben. Weitere ausgeprägte schottische Traditionen sind der
Volkstanz und die Vielzahl mündlich überlieferter Geschichten.
Schottland ist Gastgeber von zwei weltweit bekannten Kunst- und
Musikfestivals, nämlich den internationalen Musikfestspielen in
Edinburgh, die überhaupt die größten ihrer Art sind, und dem Maifest
in Glasgow. Außerdem gibt es renommierte Museen, Galerien,
Orchester, ein Nationalballett und Opernensembles, die
zeitgenössische Werke präsentieren.

Ein Großteil der Rundfunk- und Fernsehsendungen wird in England
produziert, allerdings verfügt Schottland über einen eigenen
privaten Fernsehsender und über mehrere private Rundfunkstationen.
In Schottland erscheinen 17 Tageszeitungen und 120 Wochenzeitungen.
Die BBC strahlt mittlerweile ein gälisch-sprachiges Radioprogramm
aus.
Politik
Schottland unterliegt der britischen Regierung und ist durch 72
Abgeordnete im Unterhaus (House of Commons) und 16 Abgesandte im
Oberhaus (House of Lords) vertreten.
Bis zum Inkrafttreten des 'Scotland Acts' im Januar 1999 bzw. der
Konstituierung des schottischen Regionalparlaments und der
Regionalregierung am 1. Juli 1999 wurden die schottischen Belange
von einem britischen Ministerialkabinett unter dem Vorsitz des
Staatsministers für Schottland geregelt. Durch den Scotland Act
wurden dem Regionalparlament und der Regionalregierung - beide durch
dieses Gesetz geschaffen - die vollen judikativen und exekutiven
Kompetenzen in einer ganzen Reihe von Bereichen übertragen, u. a. in
den Bereichen Justiz, Bildung, Gesundheit, Arbeit, Verkehr,
Tourismus und Landwirtschaft (die zuvor in die Zuständigkeit des
Staatsministers für Schottland gefallen waren); zudem verfügen
Regionalregierung und -parlament über begrenzte Steuerhoheit. Das
schottische Regionalparlament setzt sich aus 129 Abgeordneten
zusammen, die für jeweils vier Jahre gewählt werden; der
Regionalregierung gehören neben dem Ersten Minister, der die
Regierung leitet, der Generalstaatsanwalt und der Kronanwalt für
Schottland an sowie die vom Ersten Minister ernannten Minister (neun
in der ersten Legislaturperiode) und ihre Stellvertreter, nicht
jedoch der Staatsminister für Schottland, der weiterhin vom
britischen Premierminister ernannt wird und Mitglied der britischen
Regierung ist.
Die schottische Rechtsprechung gründet sich auf das Civil Law, das
aus den Rechtsordnungen des Römischen Rechtes abgeleitet ist,
während in den anderen Teilen Großbritanniens das für alle Personen
einheitlich geltende Common Law gilt, das sich in England im
Gegensatz zum Gesetzesrecht aus dem Fallrecht und der Rechtsprechung
bei Präzedenzfällen entwickelte. Aufgrund dieser Unterschiede im
Rechtswesen erlässt das Parlament häufig getrennte Gesetze und
gesetzliche Vorschriften, deren Gültigkeit sich ausschließlich auf
Schottland beschränkt. Sämtliche Gesetzeserlasse müssen ausdrücklich
auf ihre Verbindlichkeit für Schottland hinweisen oder diese
unmissverständlich implizieren, um rechtskräftig zu sein.
Schottland unterscheidet sich in der Gerichtsorganisation von den
übrigen Regionen Großbritanniens. Die höhere Gerichtsbarkeit liegt
bei strafrechtlichen Angelegenheiten beim Hohen Justizgerichtshof,
während der Court of Session für zivilrechtliche Fälle zuständig
ist. Für beide Gerichte ist eine 21-köpfige Richterjury vorgesehen.
Strafrechtliche Prozesse, denen schwerwiegende Vergehen zugrunde
liegen, finden vor ein oder zwei Richtern des Hohen
Justizgerichtshofes und einer Jury aus 15 Laienrichtern statt.
Revisionsverfahren solcher strafrechtlicher Prozesse werden von
mindestens drei Richtern angehört.
Der Court of Session gliedert sich in das so genannte Outer
House, das für alle Scheidungsprozesse und wichtigen
zivilrechtlichen Verfahren zuständig ist, und das Inner House, das
vorwiegend als Appellationsgerichtshof dient. Die Berufung beim
britischen Oberhaus ist nur vom Court of Session möglich. Urteile
der Berufungsinstanz, die vom Hohen Justizgerichtshof gefällt
wurden, sind endgültig und nicht anfechtbar.
Jeder Distrikt verfügt über ein Sheriffgericht für weniger schwere
Zivil- und Strafsachen. Minder schwere Fälle werden von Gemeinde-
und Polizeigerichten sowie von Friedensrichtern verhandelt. Ein
weithin bekannter Unterschied zwischen dem schottischen Rechtswesen
und der englischen bzw. walisischen Rechtsprechung ist, dass in
Schottland ein Gericht den Angeklagten nicht nur als „nicht
schuldig", sondern auch mit dem Urteil „Schuld nicht erwiesen"
freisprechen kann.
Schottland ist in sechs Distrikte (Sheriffdoms) unterteilt. Das
schottische Development Department ist für die allgemeinen
Richtlinien hinsichtlich der Kommunalverwaltung verantwortlich. Die
zwei größten britischen Parteien, die Labour Party und die
Conservative Party, nahmen zwischen 1920 und 1970 die schottischen
Sitze im britischen Parlament zu etwa gleichen Teilen ein. In der
Folgezeit verlor die Konservative Partei trotz ihrer vorrangigen
Stellung als Regierungspartei für ganz Großbritannien, die sie von
1979 bis 1997 einnahm, gegenüber der Labour Party immer mehr an
Akzeptanz. Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts fiel sie
sogar noch hinter die Schottische Nationalistische Partei (Scottish
Nationalist Party) zurück, die 1927 als politisches Druckmittel zur
Erlangung vollständiger Selbstverwaltung gegründet worden war. Zwar
hatte die Scottish Nationalist Party in Großbritannien lange Zeit
nur eine untergeordnete politische Bedeutung, sie wurde jedoch seit
den siebziger Jahren zu einem zunehmend einflussreichen politischen
Faktor und stellt mittlerweile in vielen Regionen Schottlands die
wichtigste Oppositionspartei zur Labour Party dar.
Wirtschaft
Sowohl die Landwirtschaft als auch die Industrie stellen wichtige
Wirtschaftszweige dar. Die größte Wachstumsrate hat man allerdings
in der jüngeren Vergangenheit im Bereich des Dienstleistungssektors
verzeichnet. Bedeutendste Exportgüter sind Erdöl und Erdgas,
chemische Produkte, Elektronikteile und -zubehör, Bekleidung,
Maschinen und Geräte, Textilien und Whisky. Schottland hat den
gleichen Rückgang seiner traditionellen Industriezweige erfahren wie
Wales und Nordengland. Seit 1987 kann Schottland jedoch ein
stärkeres Wirtschaftswachstum als Großbritannien in seiner
Gesamtheit aufweisen und war zu Beginn der neunziger Jahre auch von
der Rezession weniger betroffen als andere Regionen. Dies ist teils
auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze und Industrieniederlassungen
zurückzuführen, die in engem Zusammenhang mit der Entdeckung und
Förderung von Erdöl in der Nordsee stehen, teils auf die Bedeutung
Schottlands als attraktiver Wirtschaftsstandort von
High-Tech-Branchen. Der Dachverband der zahlreichen schottischen
Gewerkschaften ist der Scottish Trades Union Congress mit über
980.000 eingetragenen Mitgliedern.
Über 75% der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, zu etwa
gleichen Teilen für die Weidewirtschaft und den Anbau von
Kulturpflanzen. Wichtigste Nutzpflanzen sind Gerste (die für die
Herstellung von Whisky und Bier benötigt wird), Weizen, Hafer und
Kartoffeln. Weitere wichtige Anbauprodukte sind weiße Rüben und Obst
(z. B. Himbeeren). Die Viehzucht und die Erzeugung von Milch- und
Fleisch Produkten spielen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. In
den Highlands, auf den Inseln und in den Southern Uplands werden
Schafe gezüchtet, jedoch ist Schottland vor allem wegen seines
Mastviehs berühmt, das sowohl qualitativ hochwertiges Fleisch
liefert als auch als hervorragende Grundlage für die Zucht gilt. Die
Milchviehwirtschaft ist eher von untergeordneter Bedeutung.
Etwa 15% der Fläche sind Waldgebiete, die zu 60% dem Land Schottland
gehören. Aus den gewerblich genutzten Wäldern stammt über ein
Drittel der gesamten britischen Holzproduktion. Die Fischerei spielt
für Schottland eine wichtige Rolle. Über 70% (Berechnungsgrundlage:
Gewicht) der Gesamtfangmenge in Großbritannien, d. h. über 60% des
Gesamtwertes, stammen aus schottischen Gewässern. Die
Hochseefischerei ist besonders im Nordosten und im Bereich der
Inselgruppen von großer Bedeutung, während sich die Lachszucht im
Westen Schottlands und auf den Inseln zu einer wichtigen
Erwerbsquelle entwickelt hat. Die Zuchtlachsproduktion steigerte
sich von weniger als 1.000 Tonnen zu Beginn der siebziger Jahre auf
15.000 Tonnen Mitte der neunziger Jahre sprunghaft, so dass
Schottland als der größte Lieferant von Zuchtlachs gilt. Die
bedeutendsten Fischereihäfen sind Aberdeen, Peterhead und
Fraserburgh an der Nordostküste, Lerwick (Shetland-Inseln),
Kinlochbervie und Ullapool (Highlands). Der Fang besteht vor allem
aus verschiedenen Weißfischarten (Kabeljau, Dorsch und Schellfisch),
Heringen,Krabben, Krebsen und Hummer.
Der Großteil wird fangfrisch an Großhändler oder an die
Nahrungsmittelindustrie verkauft. Schottland ist jedoch auch für die
hervorragende Qualität geräucherter Fische bekannt, für die vor
allem Hering und Schellfisch verwendet werden. Geräucherten
Schellfisch bezeichnet man nach einem Dorf in der Nähe von Aberdeen,
das die Verfeinerung und Konservierung dieser Fischart durch Rauch
entwickelt hat, auch als „Finnan haddie".
Schottland verfügt über große Kohlevorkommen. Ferner gibt es vor
allem im Süden große Zinkerzlagerstätten. Der Boden ist im
Allgemeinen felsig und nicht sehr fruchtbar, wobei jedoch die
ausgezeichnete Bodenbeschaffenheit in den Central Lowlands eine
Ausnahme bildet. Der nördliche Landesteil hat ein immenses
Energiepotential für Hydroelektrizität und ist zugleich der Standort
der meisten und größten britischen Wasserkraftwerke. Seit der
Entdeckung ausgedehnter Ölfelder in den späten siebziger Jahren
stellt die Erdöl- und Erdgasförderung in der Nordsee einen wichtigen
Wirtschaftsfaktor dar.
Der Kohlebergbau mit umfassenden Lagerstätten in den Central
Lowlands hatte für die Industrialisierung Schottlands eine
Schlüsselfunktion und stellte im 19. und in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts eine der wichtigsten Wirtschaftsgrundlagen dar,
spielt jedoch heute aufgrund der stetig fallenden Weltmarktpreise,
der Billiganbieter aus Übersee und den wirtschaftspolitischen
Veränderungen seit den achtziger Jahren wie auch in den
Bergbauregionen in England und Wales nur noch eine untergeordnete
Rolle. Die wenigen noch bestehenden Zechen wurden Anfang 1995
privatisiert. Die ebenfalls zu Beginn der Industrialisierung
bedeutenden Eisenerzlagerstätten waren bereits vor einigen Jahren
weitgehend erschöpft. In einigen Gebieten der Highlands wurden
jedoch geringe Mengen von goldhaltigem Gestein entdeckt. Kalkstein,
Ton und Kieselerde werden weiterhin gefördert.
Die traditionellen Zweige der Schwerindustrie, Schiffbau und
Stahlproduktion, die vor allem während der Industrialisierungsphase
in Schottland überaus wichtig waren, spielen heute eher eine
untergeordnete Rolle. Nur wenige Werften konnten durch die
Umstellung auf den Bau von Bohrinseln für die Förderung von Erdöl
und Erdgas in der Nordsee überleben. Der stetige Rückgang der
traditionellen Industrien wurde durch das Wachstum neuer
Industriezweige zur Herstellung von chemischen Produkten, Maschinen,
Messgeräten und vor allem Elektronikkomponenten ausgeglichen. Viele
der Weltmarktführer im Bereich der Elektronik, so z. B. IBM und
Motorola, haben vor allem im Großraum Glasgow Niederlassungen
gegründet. Bis zu den frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts
zählte man in Schottland nahezu 200 Elektronikfirmen, wodurch
Schottland nun zu einem der wichtigsten Standorte für die
Herstellung von Elektronikkomponenten in Westeuropa herangewachsen
ist.
Im Einzelnen bedeutet dies, dass hier die meisten Computer und
Peripheriegeräte erzeugt werden und somit insgesamt mehr als die
Hälfte aller Exporte in diesem Bereich stattfinden. Nahezu 13% aller
Arbeitsplätze in der Fertigungsindustrie, 19% des gesamten
Fertigungsumfangs aller schottischen Industrieansiedlungen und 17%
der Investitionen in die Fertigungsindustrie in Schottland entfallen
auf die Elektronikindustrie.
Einige traditionelle Industriezweige, darunter auch die Erzeugung
von Textilien (insbesondere von hochwertigen Tweedstoffen und
Strickwaren) und Strumpfhosen sowie die Herstellung von
Lebensmitteln und Getränken, sind auch heute noch von Bedeutung. Vor
allem die Whiskyproduktion ist im Bereich der Getränkeherstellung
von überragender Wichtigkeit: Es gibt über 100 Whiskybrennereien,
die sich vorwiegend im Nordosten Schottlands befinden und circa 80%
ihrer Produktionsmenge in über 200 Länder exportieren. Als Exportgut
ist Whisky mit jährlichen Einnahmen in Höhe von etwa 2,5 Mrd. Euro
(dies entspricht 20% aller schottischen Exporteinkünfte durch
Fertigprodukte) einer der wichtigsten Devisenbringer
Großbritanniens.
Der Dienstleistungssektor hat seit den fünfziger Jahren einen
starken Zuwachs erfahren, so dass heute 70% aller Berufstätigen in
diesem Bereich tätig sind. Einer der am schnellsten expandierenden
Teilbereiche ist das Finanz- und Geschäftswesen. Etwa ein Drittel
aller Investitionsfonds in Großbritannien wird von Schottland aus
verwaltet, und zahlreiche Versicherungsgesellschaften haben dort
ebenfalls ihren Sitz. Der Tourismus verzeichnet eine der stärksten
Zuwachsraten. Jährlich kommen etwa 11 Mio. Besucher nach Schottland.
Die Gesamtlänge des schottischen Straßennetzes beträgt etwa 52.000
km, darunter 3.123 km Fernstraßen und Autobahnen. Das Streckennetz
der Eisenbahn ist 6.400 km lang. Die East Coast Main Line verbindet
London mit Edinburgh. Als öffentliche Transportmittel stehen in den
meisten Regionen des Landes Linienbusse zur Verfügung, jedoch ist
der reguläre Linienverkehr nicht mehr so flächendeckend wie früher.
In abgelegenen ländlichen Regionen stellt der Postbus ein wichtiges
Verkehrsmittel dar, in Glasgow gibt es eine U-Bahn.
Der internationale Flugverkehr wird über den Flughafen Prestwick in
der Nähe von Glasgow abgewickelt, der in Großbritannien der
Flughafen mit dem größten Flugaufkommen ist. Edinburgh und Aberdeen
gehören hinsichtlich des Flugbetriebs ebenfalls zu den zehn
wichtigsten Flughäfen in Großbritannien. Nach 20 Jahren gibt es seit
2002 wieder eine Fährverbindung zwischen Schottland und dem
europäischen Festland. Hierzu wurden zwei Fährschiffe für jeweils
ca. 116 Mio. Euro gebaut, die zwischen Rosyth und Rotterdam bzw.
Zeebrugge pendeln.
Seit Anfang der siebziger Jahre hat sich die Industrie durch die
Entdeckung ergiebiger Olfelder vor der schottischen Nordostküste und
im Nordosten der Orkney- und Shetland-Inseln in den Gewässern der
britischen Kontinentalplatte vor allem auf die Förderung dieser
Vorkommen konzentriert. In dieser Region wurden außerdem reiche
Erdgasvorkommen gefunden. Zwar wurden die durch diese Industrien
erzielten Einkünfte zum Ärger der schottischen Nationalisten wie ein
gesamtbritischer (und nicht schottischer) Verdienst investiert, aber
durch die Ölreserven konnte Schottland einen beträchtlichen
Wirtschaftsaufschwung verzeichnen. Man nimmt an, dass durch die
Industrieaktivitäten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem
Abbau, der Raffinierung und Weiterverarbeitung dieser natürlichen
Rohstoffe stehen, insgesamt etwa 100 000 Arbeitsplätze geschaffen
wurden. Die Wirtschaft Aberdeens und ganz besonders der Shetland-
und Orkney-Inseln wurde wieder kräftig belebt.
Anm.: Weite Teile der Informationen zum Land sind Microsoft Encarta
entnommen, auf das ich hiermit ausdrücklich als Quelle hinweisen
möchte. Deshalb sind auch die Rechte bei Microsoft
